Sitzung 21. September 2021

Drucksache 5/2021

259. Sitzung des Planungsausschusses am 21.09.2021

V O R L A G E

des Verandsvorsitzenden an den Planungsausschuss
 

TOP 2    
Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für Bayern bis 2039

Anlage: Karten und Diagramme, Seiten 1 bis 8

 

I. VORTRAG

Nach der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für Bayern 2019 bis 2039 hält eine leicht steigende Bevölkerungsentwicklung in Bayern insgesamt bis 2039 an. In vielen Gebieten im Norden und Osten Bayerns reichen jedoch die Wanderungsgewinne nicht aus, um den Sterbefallüberschuss auszugleichen. Alle Teile der Region München wachsen, aber auch der gesamte Großraum München. Voraussichtlich führt die Corona-Pandemie zwar zu einem kurzfristig schwächeren Auslandszuzug (2020), ändert jedoch langfristig bestehende Trends nicht. Im Vergleich zur Prognose 2018 – 2038 allerdings wächst die Bevölkerung Bayerns von 2019 bis 2039 deutlich schwächer (3,2 % statt 4 %), die Region München ebenfalls (7,7 % statt 9,2 %).
 

1. Annahmen des stat. Landesamts für die Bevölkerungsvorausberechnung

Diese Annahmen betreffen die Geburten, die Sterbefälle der Bevölkerung, die Binnenwanderung innerhalb Bayerns sowie die Außenwanderung mit dem restlichen Deutschland und dem Ausland.

a. Geburten

Die sog. zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) gibt an, wieviel Kinder eine Frau durchschnittlich im Lauf des Lebens hat. Sie ist von 1,36 im Jahr 2011 auf 1,55 im Jahr 2018 in Bayern gestiegen  Die Prognose nimmt von 2019 bis 2039 eine durchschnittliche Geburtenrate von 1,55 an. Darüber hinaus wurde berücksichtigt, dass das Alter der Mütter bei der Geburt auch weiterhin moderat ansteigen wird.
 

b. Sterbefälle

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt wird bis zum Jahre 2039 mit 81,7 Jahren bei den Männern (plus 2,1 Jahre seit 2019) und 85,6 Jahren bei den Frauen (plus 1,8 Jahre seit 2019) angenommen. Nach 2019 öffnet sich die Schere zwischen der Zahl der Geburten und der Sterbefälle deutlich. Die Prognose nimmt bis 2039 für ganz Bayern ein Geburtendefizit gegenüber den Sterbefällen von durchschnittlich 27.500 Personen pro Jahr an (Anlage, Seite 3 unten). Lediglich in der Landeshauptstadt München, den Landkreisen Freising und Eichstätt und den Städten Rosenheim, Regensburg und Ingolstadt wird bis 2039 ein Geburtenüberschuss prognostiziert.
 

c. Binnenwanderung innerhalb Bayerns

Das Binnenwanderungsverhalten zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten in Bayern wird grundsätzlich auf Grundlage der tatsächlichen Wanderungsbewegungen zwischen 2012 und 2019 modelliert.
 

d. Außenwanderung Bayerns mit Bund und Ausland (Anlage, Seite 3 oben) unter Berücksichtigung der Zahlen im Coronajahr 202

Diese Annahmen sind im Vergleich zu den anderen angenommenen Komponenten mit den größten Unsicherheiten behaftet. Im Ergebnis nimmt das Statistische Landesamt an, dass sich der Saldo gegenüber den anderen Bundesländern Deutschlands bis 2039 etwas unter dem durchschnittlichen Niveau der Jahre 2015 bis 2019 bewegt (das bedeutet ca. 6.500 Personen mehr pro Jahr). Denn durch rückläufige Bevölkerungszahlen in Deutschland verringert sich auch das Zuwanderungspotential nach Bayern.

Bei der Auslandswanderung wird ab 2021 ein jährliches Saldo von 44.600 Personen pro Jahr angenommen (213.100 Zuzüge und 168.500 Wegzüge jährlich). Das entspricht dem durchschnittlichen Saldo der Jahre 2006 bis 2019, ohne die Jahre 2015 und 2016.
 

2. Übersicht über die Bevölkerungsentwicklung Bayerns (s. Anlage, Seite 1 – 3)

Insgesamt wird Bayern durch die Wanderungsgewinne aus dem Ausland  von 13,12 Mio. Einwohnern in 2019 auf voraussichtlich 13,55 Mio. Einwohner 2039 um 424.000 Einwohner zunehmen (das entspricht ca. 3,2 % über den gesamten Zeitraum). Bayernwürde ohne Zuwanderung wegen des seit längerer Zeit bestehenden Geburtendefizits schrumpfen. Diese relativ geringe Bevölkerungszunahme bis 2039 kann nicht verhindern, dass sich die Altersstruktur in Bayern drastisch wandelt. Auch wenn das Durchschnittsalter der Zuwanderer deutlich geringer ist als das Durchschnittsalter der Bestandsbevölkerung, so werden doch die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation (Geburtsjahrgänge ca. 1959 bis 1969) im Jahr 2039 den Altersdurchschnitt stark anheben. Das Durchschnittsalter im Freistaat Bayern steigt von jetzt 43,9 Jahren auf 45,9 Jahre im Jahr 2039 an.

Gleichzeitig ist die Bevölkerungszunahme nicht gleichmäßig in Bayern verteilt. Aufgrund der unterschiedlichen Zuwanderung und der jetzigen Altersstruktur der Landkreise und Städte profitieren von der Zuwanderung großflächig vor allem der Süden Bayerns bis hinauf in den Raum Regensburg, Neumarkt i. d. Oberpfalz und Schwandorf. Räume vor allem im Norden und Nordosten Bayerns verlieren deutlich Einwohner bis 2039 und altern stärker als die Zuzugsregionen.
 

3. Bevölkerungsentwicklung in der Region München (s. Anlage, S. 4 – 8)

Insgesamt nimmt nach den Prognosen die Bevölkerung der Region München von 2,93 Mio. Einwohner 2019 auf 3,15 Mio. Einwohner im Jahr 2039 zu (+ 220.000 Einwohner – entspricht ca. 7,7 % Wachstum in 20 Jahren), vgl. Anlage, Seite 4 bis 8. Bis 2039 wachsen prozentual am schnellsten die Landkreise Dachau und Ebersberg mit ca. 11 %. Die Landeshauptstadt und die Landkreise Erding, München und Fürstenfeldbruck folgen mit 6,7 % bis 8,9 %. Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg und Freising wachsen um 4 % bis 5,9 %. Im Vergleich zur Prognose 2018 – 2038 geht die Vorausberechnung von einem geringeren Wachstum aus (ca. 50.000 Einwohner weniger als 2018 – 2038).

Das Durchschnittsalter steigt in der Stadt München moderat auf 42,5 Jahre an, in den Landkreisen der Region auf 44,2 bis 46,7 Jahren.

Die junge Bevölkerung bis 17 Jahre wächst prozentual ähnlich stark wie die Bevölkerung insgesamt – am schnellsten im Landkreis Ebersberg. Etwas schwächer in der LH München und im Landkreis Dachau, Landkreis München und Landkreis Fürstenfeldbruck; deutlich schwächer in den Landkreisen Erding, Freising, Starnberg und Landsberg am Lech. Viel schneller wächst der Anteil der über 65jährigen. Und wegen der vielen Einwohner in dieser Altersgruppe nimmt die Zahl der über 65jährigen bis 2039 in den Landkreisen um 103.000 zu, in der LH München um 52.000. Hingegen steigt die Zahl der bis 17jährigen nur um 19.000 in den Landkreisen und 23.000 in der LH München.

Die Einwohnerzahl der zwischen 18 und 64 Jahren steigt nur noch in Teilen der Region: in der LH München am stärksten um knapp 40.000, in den Landkreisen Ebersberg, München und Dachau insgesamt um 5.700. Alle anderen Landkreise verlieren Einwohner in dieser Altersgruppe – insgesamt 18.000.
 

4. Fazit

In den letzten Jahren schwächt sich nach der vom statistischen Landesamt erstellten Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung angenommene Einwohnerwachstum in der Region München deutlich ab:

2019 – 2039:        + 220.000 Einwohner

2018 – 2038:        + 270.000 Einwohner    (siehe Drucksache Nr. 1/2020)

2017 – 2037:        + 320.000 Einwohner    (siehe Drucksache Nr. 1/2019)

2016 – 2036:        + 345.000 Einwohner    (siehe Drucksache Nr. 8/2018)

Es liegt nach der neuen Vorausberechnung also bei 7,7 % Zuwachs in 20 Jahren, d. h. nur noch ca. 0,35 % pro Jahr!

Für den Arbeitsmarkt problematisch ist vor allem die negative Entwicklung der Einwohnerzahl im Umland.

Die Sozial- und Alterssicherungssysteme werden in den nächsten 40 Jahren stark belastet, weil die Babyboomer die Bevölkerungspyramide durchwandern und in den nächsten Jahren anfangen, in Rente zu gehen – diesen Jahrgängen stehen keine entsprechend großen Jahrgänge im aktiven Berufsleben gegenüber.

Ob dem eine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt gegenübersteht ist noch ungewiss. Nach wie vor besteht ein erheblicher Nachholbedarf an Wohnungsbau in der Region München. Hinzu kommt der Bedarf an Ersatzbauten für wegfallenden Wohnraum.
Grundsätzlich jedoch bieten niedrigere Wachstumsraten der Einwohnerentwicklung die Chance, den derzeitigen Wohnungsmangel abzumildern.
 

II. BESCHLUSSVORSCHLAG

Vom Vortrag wird Kenntnis genommen.

 

i.A. Breu
Geschäftsführer

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